Christine Krammer

Christine Krammer

Artist Statement

Christine Krammers Arbeit beschäftigt sich mit der Widerspenstigkeit des fotografischen Bildes. Sie untersucht die Implikationen des Versuchs, ein Bild festzuhalten, sowie die Spannungen, die entstehen, wenn Bilder an einen Ort gebunden werden. Krammer verwendet gefundenes Bildmaterial aus dem Internet sowie aus öffentlichen und privaten Archiven und fügt dieses Material zu Videoinstallationen zusammen, in denen Bilder zusammenhängen, sich überlagern und wieder auseinanderfallen. Durch die aktive Auswahl und Rekontextualisierung von Bildern aus dem digitalen Umlauf zeigt ihre Arbeit, dass Bedeutung in digitalen Archiven nicht verloren geht, sondern durch Akte der Autor:innenschaft kontinuierlich neu verhandelt wird.

Werke

Sub

4-Kanal Videoinstallation auf Leinwand und Monitor, 11:41 Minuten

Welche Geschichten können (wieder)erzählt werden, welche gehen verloren? Das Bewegtbild wird auf den drei Projektionsflächen inspiziert: es wird vergrößert, verlangsamt und seziert. Zwischen Bildfragmenten, Pixelverlusten und Lücken kommt das Unaufgezeichnete zum Vorschein. Die fragmentarische Beschaffenheit der Aufnahmen wird durch die Geschichte auf dem Monitor gespiegelt.

Text: Astor Roth

It Will Take Years to Undo the Steps I Will Take Today

HD-Videoloop, LCD Monitor, Kabel, Lautsprecher, 10:30 Minuten

It Will Take Years (...) untersucht das persönliche digitale Archiv als Ort der Produktion und die Praxis des found footage-Films. Die Wiederverwendung gefundener Aufnahmen zeigt Masse und Vergänglichkeit und unterzieht sie zugleich einem Prozess der erneuten Konservierung. Das Private wird öffentlich, und dabei stellen sich Fragen nach Akkumulation, Selektion, Komposition und Verfall, wie auch in institutionellen Archiven. So ist das Archiv nicht nur Speicherort, sondern auch Medium der Reflexion über Zeit, Erinnerung und kulturelle Praxis.

RIP

HD-Videoloop, 10:30 Minuten

Der Titel RIP spielt auf das englische „to rip“ an, das unter anderem das Kopieren von einem Dateiformat in ein anderes beschreibt. Aus den weiten Bildarchiven des Internets kopiert, in denen die Aufnahmen zuvor schwebten, sollen sie in der Videoarbeit ihren Frieden finden: Aufeinanderfolgend erzählen sie brüchige Zusammenhänge, in denen die Betrachter:in unsicher bleibt, ob die einzelnen Sequenzen als kohärente Einheit gelesen werden können oder ob genau diese Erwartung unterlaufen wird.

Stayin’ Alive (Dead Wax/Run-Out Area)

HD Videoloop und Pigmentdruck á 29,7 cm x 21cm

Die Arbeit betrachtet den Augenblick im Medium Bewegtbild, Fotografie und Schrift. Während die Fotografie eine Niederschrift als Verewigung abbildet und in sich selbst ein Moment des Festhaltens ist, zeigt das Video den Moment als unendlichen 6 Sekunden Loop. Der ironische Soundtrack von BeeGee’s Stayin’ Alive gibt dem Video die einzige zeitliche Orientierung in dem endlosen Spaziergang am Strand.

Serie von fünf Pigmentdrucken,
vier á 52cm x 70cm & einer á 59cm x 79cm

„Obwohl aufmerksamkeitsheischend groß, schenkt man den kleineren Bildern zunächst mehr Beachtung, denn sie erzählen, das große Bild entzieht sich. Nach einer Weile des Betrachtens ist aber die Erzählung nicht mehr ohne die Auflösung zu haben und die verunsicherte Betrachterin ( zum Beispiel ich) beginnt zaghaft, den eigenen Körper als einen im medialen Raum unkontrolliert verhandelten zu denken.“ Jeanne Faust über Auflösung

Auflösung

16mm auf HD Video, 09:30 Minuten

Die Filmcollage Die Untätigkeit oder: (…) entzieht sich einer klaren zeitlichen Einordnung und oszilliert zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Im Zentrum steht die Figur des Taugenichts als Antagonist zur Vorstellung von Arbeit als Selbstverwirklichung. Der Film thematisiert einerseits die prekären Verhältnisse der Arbeitswelt im Spätkapitalismus, und andererseits das fortbestehende Feindbild des Taugenichts. Während sich die Arbeitsbedingungen in einem ständigen Wandel befinden, bleibt das Feindbild des Taugenichts eine Konstante.

Die Untätigkeit oder: Es bereitet ihnen Unbehagen, dass ich nichts arbeite. Sie nennen mich einen Taugenichts aber in Wahrheit haben sie Angst vor mir.